Jogginghose, Gymnastikball und DIY Frisur.
Darum bin ich Single, aber nicht verzweifelt
Es hat sich so ergeben, dass ich Single bin. Und je mehr Männer kurz in mein Leben treten, um schnell wieder entlassen zu werden, umso weniger wünsche ich mir wirklich eine Änderung meines aktuellen Beziehungsstatus.
Dabei bin ich wirklich vielfältig. Im Bad findet man eher Bits statt Eyeliner, meine Haare schneide ich selbst und meine Fingernägel sind nur mäßig manikürt. Irgendwo habe ich immer Schmutz in Kniehöhe oder im Gesicht. Manchmal vom Kamin, manchmal Reste von Haferbrei.
Statt Fingernägel bemale ich Steine, backe Kuchen morgens um vier Uhr und tätowiere mich selbst.
Mein allererstes Date fand 100 km von mir statt. Das ist mein halbes Leben her, als soetwas wie Charly oder Kalorienzähl-Apps mit Alarmfunktion noch gar nicht denkbar war. Und Blinddates über Computer-Plattformen waren damals meistens genau das: blind.
Nicht dass ich oberflächlich bin, innere Werte zählen, und wenn ein Mann im Dialog über mehr Gefühle als Hunger und Durst verfügt, dann war er es mir damals noch wert, mich für 100 km ins Auto zu setzen. Damals hatte ich auch noch ein Auto.
Nein, ich fuhr nicht weiter, als ich ihn sah, ungefähr so groß wie ein Grundschüler und mit blau-weißer Plastiktüte eines bekannten Discounters in der einen Hand, während er sich mit der anderen Hand abwechselnd über seine VoKu-HiLa-Frisur und Schnauzer strich.
Freundlich sammelte ich ihn ein, registrierte Familienfotos in seiner Tragetasche und setzte ihn nach einem kurzen Imbiss wieder ab.
Zuhause erwartete mich die Mail: „Schade, hätte gern mit Dir geschlafen.“ Also doch nur Hunger.
Dreißig Jahre später hat sich nicht viel geändert. Aber die Männer sind ehrlicher geworden, wenn sie gleich im zweiten Satz schreiben, dass das erste Date nicht nur ein Kaffeeklatsch werden sollte, und mich darüber in Kenntnis setzen, dass sie auf High Heels stehen.
Ich wippe dann entspannt auf meinem Gymnastikball auf und ab, lockere meine Lendenwirbelsäule und trinke meinen Kamillentee.
Können sie ja anziehen, ich bleibe bei Sneakers oder Stiefel.