Der Kanzlershof in Gut Moor
Um 1540 ließ Otto I., Herzog von Harburg den Seevekanal durch das Meckelfelder Moor graben. Der Kanal sollte dem Antrieb der Harburger Binnenmühlen dienen und war gleichzeitig Voraussetzung der Kultivierung des umliegenden Moores.
Sein Enkel, der letzte Harburger Herzog Wilhelm August schenkte 1630 seinem Kanzler Johann von Drebber († 1647) ein freies Gut im Moor als Dienstsitz.
Zu der so entstandenen Domäne Kanzlershof gehörten umfangreiche Ländereien und auch Gebiet des heutigen Stadtteiles. 1645 wurde die Vogtei Höpen im Amt Harburg geschaffen, welche unter anderem auch Gut Moor, Groß-Moor und Klein-Moor umfasste. 1667 wurde die Siedlung im Harburger Amtslagerbuch Mohr genannt.
Quelle: wikiwand
Buch "Darbowen - Schilderungen aus dem Erleben einer niedersächsischen Sippe" von Dr. Hans Braun, Hamburg, 1934
In Gut Moor lag einst ein wichtiges politisches Machtzentrum Harburgs, das heute völlig von der Landkarte verschwunden ist: der Kanzlershof. Wo einst Barone, Freiherren und Grafen residierten, rollen heute Güterzüge und Personenzüge wie der Metronom oder ICE: Das Herrenhaus aus dem Jahr 1713 musste der Erweiterung des Rangierbahnhofes weichen und wurde 1910 abgerissen. Heute erinnert nur noch ein Straßenname an den einst stolzen Adelssitz. Ein unrühmliches Ende für einen Herrschaftssitz, dessen Geschichte genügend Stoff für einen Hollywoodfilm liefern könnte.
Quelle: Hamburger Abendblatt
Minna Margarethe Wrie (Wriede) heiratete meinen "5fach-Ur-Großvater" Meino Darboven am 11.2.1738. Minna war die Witwe des Gutsbesitzers (Pächters) Claus Rohr, der 1737 im Alter von 37 Jahren verstarb und ihr Gut Moor (Kanzlershof) hinterließ. Dieses war damals Eigentum der Bergkasse zu Clausthal, die den Kanzlershof vom Bergmann von Bülow abgekauft hatte.
(Quelle: Buch "Darbowen - Schilderungen aus dem Erleben einer niedersächsischen Sippe" von Dr. Hans Braun, Hamburg, 1934)
Somit wurde mein Urururururgroßvater Meino Darboven im Jahre 1738 zum Pächter des Kanzlerhofes in Gut Moor. Er verstarb im Jahre 1788.
Ursprünglich war der Kanzlershof ein herrschaftliches Anwesen mit Grund- und Erbzinsstellen, zwei Meierhöfen und der Fischerei in Neuland.
Nach und nach ist aber ein Stück Land nach dem anderen verkauft worden. Kisten vom Dachboden des Herrenhauses, voll mit wertvollen Urkunden zur Geschichte Harburgs, teils mit großen Wachssiegeln behangen, sind heute verschollen. Ungeklärt ist, ob die Dokumente irgendwo im Staatsarchiv schlummern, sich im Privatbesitz befinden oder einfach eingestampft wurden.
Seinen Namen hat der Kanzlershof daher, dass er Jahrhunderte hindurch Dienstsitz der Harburger Kanzler, eine Bezeichnung für hochrangige Verwaltungsbeamte, war. Namensgeber war Johann von Drebber, Oberhauptmann und herzoglicher Kanzler in der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Als "der letzte Harburger Kanzler" gilt Oberst Augustus von Zastrow. Der Volksmund nannte ihn so, obwohl er nie Kanzler gewesen war. Oberst von Zastrow starb am 19. August 1832. Chronisten berichteten in Zeitschriften schon um 1900, dass Zastrows Grabstätte, umgeben von einem Gebüsch und einem alten, teils zerbrochenen Eisengitter, vom Eisenbahnausbau verschluckt zu werden droht.
Der Historiker Dr. Rüdiger Articus vom Helms-Museum ist sich heute sicher, dass das Grab des letzten Harburger Kanzlers tatsächlich einfach überbaut wurde. Er hofft auf Hinweise auf die verschollene Grabplatte aus Sandstein und alte Fotos vom Kanzlershof. Kontaktaufnahme unter Telefon 040/428 71 38 82.
Quelle: Hamburger Abendblatt
Erzählungen und Sagen ranken sich um den Kanzlershof.
So soll er der Königin Karoline von Dänemark (gestorben 1775) auf der Flucht von Kopenhagen nach Celle für einige Zeit als Unterschlupf gedient haben.
Angeblich soll ein unterirdischer Gang den Kanzlershof mit dem heute ebenfalls verschwundenen Harburger Schloss verbunden haben. Eine Prinzessin soll sich dort mit ihrem Geliebten, einem auf dem Kanzlershof wohnenden Ritter, heimlich getroffen haben.
Einer anderen Sage nach entführten Raubritter die 16 Jahre junge Tochter eines der Gutsherren. Bewaffnete Männer aus Harburg befreiten die junge Frau. Die Strauchritter wurden bei Meckelfeld gehängt.
Quelle: Hamburger Abendblatt
Räuber 14. Jahrhundert
Der Sumpf über dem heutigen Friesenwerdermoor war wohl kaum zu gänglich, voller Gefahren und von Geheimnissen umwittert. Der Sage nach hatten sich dort im 14. Jahrhundert mehrere Räuber ein Nest eingerichtet. Sie trieben ihr arges Unwesen in der Umgebung und verunsicherten die Menschen. In ihrem sicheren Schlupfwinkel waren sie nicht zu fangen, da der Zugang durch den Morast nur ihnen bekannt blieb.
Schließlich raubten sie in einer Sommernacht sogar das schöne 16-jährige Töchterchen des damaligen Harburger Kanzlers, der seinen Dienstsitz auf der Domäne „Canzlershof“ hatte.
Gewaltsam ins Moor entführt, konnte es für das junge Mädchen lange keine Hilfe geben. Erst als ein harter Winter die überflutete Moordecke mit einer starken Eisdecke ausrüstete, konnten bewaffnete Reiter aus Lüneburg und Harburg das verteidigte Räubernest umzingeln, die Räuber festnehmen und das Mädchen befreien. Der Schlupfwinkel wurde von Grund auf zerstört und die Räuber im Höpen auf dem Räuberberg erhängt.
Quelle: weseleoh-online.de
Postkarte "Seeve" mit Kanzlershof-Wappen
mögliche weitere Informationsquellen
Kreis Herzogtum Ratzeburg
https://www.kreis-rz.de Kreisarchiv
Findbuch Gutsarchiv Rondeshagen
Gutsangelegenheiten:
Familienpapiere, Lehens- und Eigentumsverhältnisse, Vermögen, Pachtsachen
Gutsangelegenheiten: Familienpapiere, Aktenverzeichnisse
207 Stammbaum der Familie von Zastrow ca. 1500 bis ca. 1750
195 Bibliotheksverzeichnis des Oberst von Zastrow auf Gut Kanzlershof bei Harburg, Laufzeit: 1832-1838
Literatur:
Dietrich Kausche: Harburger Erbregister von 1667. Hamburg (Verein für Hamburg. Geschichte), 1987, ISBN 3-923356-12-9. S. 51