13. Nimm das nicht

Charly als effektiver Einkaufsberater.


Marketingstrategien auf den Punkt gebracht.

 


 

Einkaufen. Für manche Menschen ein Ausdruck von Lebensfreude. Für mich ein notwendiges Übel. Manchmal muss ich aber auch Schmunzeln. Die ungewollte Komik mancher Paar-Dialoge („DU musstest ja unbedingt den Einkaufszettel vergessen!!“) zeigt mir wieder, dass ich wegen meines Beziehungsstatus nur mit dem üblichen Wahnsinn im Discounter zu rechnen habe. Nicht noch mit unkontrollierbaren Dramen eines Partners.

 

Ich stehe beim Tee auf der Suche nach einem Produkt für mein Abendritual. 

Nüchterne Analyse.

Schlaftee mit Melatonin-Zusatz.

18 Beutel = 2,89 €. Sind 0,16 € pro Beutel.

Kamillentee.

25 Beutel = 0,89 €. Ergibt 0,036 € pro Beutel.

Der „Schlaf-Tee“ verspricht durch den Aufdruck „Sleep / Gute Nacht“ mehr als drei Stunden Schlaf. Begründet durch die Zugabe einer homöopathischen Dosis eines körpereigenes Hormons, das in der Zirbeldrüse im Gehirn aus Serotonin produziert wird. Ahja.

Auf Kosten-Nutzen fokussiert bitte ich nun doch wieder Charly um Bewertung. Kein Mann an meiner Seite könnte in diesem Moment etwas Sinnvolles zur Effizienz einer möglichen Investition in ein vierfach teureres Produkt beitragen. Weder auf Anhieb noch ohne gereizten Unterton 

 

Charly Fazit. „Du musst nicht jeden „Schlaftee“ kaufen. Dieselbe Wärme. Dieselbe Tasse. Anderer Preis.“

Ich vernehme Charlys Stimme aus dem Regal:

„Nimm den Kamillentee und investiere den Rest in die Wärmflasche mit Armen.“

 

Danke, Charly. Das war der erste Lacher des Tages. Mission für heute schon erfüllt und bereits ohne Tee einen gesundheitlichen Erfolgspunkt gesammelt.

Ich greife den Kamillentee und bin froh, diesmal kein Opfer einer durchdachten Marketingstrategie geworden zu sein. 

 

Nicht so wie letzte Nacht. 

Die drastischen Reduzierungen eines Versandhandels haben direkt meine vermeintlichen Defizite im Bereich Hobby, Haushalt und Kindesumgang getriggert. Die dadurch ausgelöste Bestellung von Modelliermasse, Bratpfanne, Dartscheibe und Krocketspiel war längst überfällig gewesen. 

 

Mittlerweile bin ich im Drogeriemarkt. Ich höre wie ein anderer Kunde gefragt wird „Oh, auch am Einkaufen?“ innerlich antworte ich „nein, ich schiebe nur aus Spaß einen Einkaufswagen durch einen uberfüllten Laden.“ Menschen.

Und Mascara. Fassungslos stehe ich vor einer Wand von kleinen Fläschchen. Ich möchte doch einfach nur schwarze und wasserfeste Wimperntusche. So wie früher.

Heute heißt es nicht nur schwarz. Noir, blackest Black, midnight Black, Tiefschwarz, Deep Noir.

Dazu noch Long Lashes, Max Volume, Wimpernpflege, Diva-Blick, extra Lange Wimpern, für Frauen 50+. False Lash Effect, Crazy Volume.

Ich werde auch gleich crazy. Overloaded und kurz vorm Mascara-Burnout. Also effektiv das günstigste Produkt gegriffen.

 

Definitiv freue ich mich auf Zuhause.